Es gibt diesen Spruch von den Kindern des Schusters, die keine Schuhe haben. Ich schreibe hier seit 2018 über Bloggen, WordPress und Suchmaschinen. Und dann habe ich mir diese Seite einen Tag lang selbst vorgenommen — mit Zahlen aus der Search Console, gerenderten Seiten und einer Liste, die ich vorher nicht hatte.
Das Ergebnis war unangenehm genug, um es aufzuschreiben: sieben SEO-Fehler, die fast alle seit Jahren unbemerkt auf dieser Seite standen.
Vorweg, damit die Erwartung stimmt: Es war kein Design-Problem. Ich hatte das vermutet, weil die Seite altbacken aussah. Der eigentliche Schaden lag woanders, und ich hätte ihn nie gefunden, wenn ich mit dem Aussehen angefangen hätte.
Der Fehler, der wehtat: das Archiv schlägt den Artikel
Zwei eigene Seiten, dieselbe Suchanfrage
Der Search-Console-Export über 92 Tage sah so aus:
| URL | Impressionen | Ø Position |
|---|---|---|
| der Artikel zur Keyworddichte | 922 | 78,3 |
| das Schlagwort-Archiv zum selben Thema | 796 | 54,5 |
Lies das noch einmal. Die Archivseite — eine automatisch erzeugte Liste mit Titel und Anriss — stand 24 Positionen besser als der Artikel, den sie auflistet. Für dieselben Suchanfragen.
Und beides zusammen brachte in drei Monaten: null Klicks.
Der Themenkomplex trägt rund zwei Drittel aller Impressionen dieser Seite. Es ist die einzige Stelle mit echter Nachfrage — und ich hatte zwei eigene Seiten darauf angesetzt, die sich gegenseitig im Weg standen.
Warum das passiert
WordPress erzeugt für jedes Schlagwort und jede Kategorie eine eigene Archivseite. Standardmäßig dürfen die alle in den Index. Google sieht dann für eine Suchanfrage mehrere Seiten derselben Domain, muss sich für eine entscheiden — und entscheidet sich nicht zwangsläufig für die, die du meinst.
Die Lösung ist unspektakulär: Schlagwort-Archive auf noindex. Sie bleiben erreichbar, bleiben intern verlinkt, treten aber nicht mehr gegen die Artikel an. Die Kategorie-Archive habe ich bewusst im Index gelassen — sie sind die Einstiegspunkte der Navigation und haben eine eigene Berechtigung.
Ehrlich dazu: Ob der Artikel jetzt die Position des Archivs übernimmt, weiß ich nicht. Sicher ist nur, dass zwei eigene Seiten aufgehört haben, um dieselbe Anfrage zu konkurrieren. Ich melde mich, wenn es Zahlen gibt.
Vier Kleinigkeiten, die zusammen viel ausmachen
Kein einziges Bild im Archiv
Gemessen: null von fünf Beiträgen auf der Startseite zeigten ein Vorschaubild. Dabei hat jeder einzelne der 32 Beiträge eines. Es fehlte nicht am Material, sondern an einer Theme-Einstellung — und zwar nicht nur am Haken „Beitragsbild anzeigen“, sondern an der Bildgröße darunter. Ohne die bleibt die Ausgabe still leer.
Dazu ein zweiter Fund, den ich mir selbst eingebrockt hatte: Ein neuer Beitrag stand auf der Startseite in voller Länge, weil ihm der Weiterlesen-Punkt fehlte. Die Startseite war dadurch ein Fünftel schwerer als nötig — und wer sie öffnete, bekam einen kompletten Artikel statt einer Übersicht.
Vier Menüpunkte für zehn Rubriken
Im Menü standen vier Einträge. Die Seite hat zehn Kategorien. Sechs davon waren aus der Navigation überhaupt nicht erreichbar — man kam nur über die Suche oder einen Zufallslink hin.
Jetzt sind es acht Punkte, zwei davon mit Untermenü für die älteren Rubriken. Zehn Minuten Arbeit für etwas, das jahrelang offensichtlich falsch war.
Ähnlich der nächste Punkt: Ich habe hier eine zwölfteilige Serie über die Nischenseiten Challenge 2018 stehen — Woche für Woche, von der Anmeldung bis zum Abschlussbericht. Diese zwölf Beiträge waren untereinander nicht verlinkt. Wer bei Woche 3 landete, hatte keinen Weg zu Woche 4. Inzwischen hat jeder Teil eine Kopfzeile mit „Teil X von 12″ und darunter Zurück, Weiter und eine Übersicht.

Was mich am meisten überrascht hat
Meine Markenfarbe war nicht lesbar
Ich habe die Farben nachgerechnet, statt sie anzuschauen. Das Ergebnis:
| Farbe | Kontrast auf Weiß | WCAG AA verlangt 4,5:1 |
|---|---|---|
| das Orange für Links im Fließtext | 3,02 : 1 | verfehlt |
| das Grau für Datum und Metazeilen | 2,85 : 1 | verfehlt |
Jahrelang. Auf einer Seite, auf der ich anderen erkläre, wie man Blogs baut.
Die Korrektur kostet nichts: Für Text auf weißem Grund wird das Orange eine Spur dunkler und erreicht 4,75:1. Als Akzentlinie und auf der schwarzen Kopfleiste bleibt es unverändert — dort steht es auf 6,95:1 und war nie ein Problem. Im direkten Vergleich sieht man den Unterschied kaum. Beim Lesen sehr wohl.
Der Punkt, den ich mitnehme: Kontrast ist keine Geschmacksfrage. Man kann ihn ausrechnen. Ich habe das nie getan, weil es für mich gut aussah — und ich lese meine eigene Seite bei Tageslicht auf einem guten Monitor.
Tote Links — und warum 403 nicht „tot“ heißt
Ich habe alle 90 externen Links der Seite abgerufen. Das Ergebnis war lehrreicher als erwartet:
- 2 Domains existieren nicht mehr. Beides Blogs von Mitstreitern der Challenge von 2018 — die Seiten sind weg, die Namen bleiben im Text stehen, nur ohne Link.
- 3 Links antworten mit 404. Einer davon steckte ausgerechnet in dem Beitrag, der von allen am besten rankt.
- 21 Links antworten mit 403.
Und genau die 21 sind der interessante Teil. 403 heißt „Zugriff verweigert“ — und die naheliegende Reaktion wäre, sie als tot zu zählen und zu löschen. Das wäre falsch gewesen: Darunter sind Pixabay, Stack Overflow und andere Seiten, die schlicht leben. Sie blockieren nur automatisierte Abrufe.
Ich habe sie deshalb nicht angefasst. Wer eine Linkprüfung laufen lässt und alles wegwirft, was nicht mit 200 antwortet, zerstört funktionierende Links. Ein 404 ist ein Befund. Ein 403 ist eine offene Frage.
Beim einen kaputten Link, der wirklich weg war, habe ich übrigens nicht einfach gelöscht: Der Name des Autors, dem ich damals gedankt hatte, steht weiter im Text. Dazu ein Nachtrag mit einer funktionierenden Quelle. Der Dank soll ja nicht verschwinden, nur weil die Seite offline ist.
Was ich daraus mitnehme
Erst messen, dann gestalten. Ich bin mit dem Vorsatz gestartet, die Optik aufzufrischen. Hätte ich das getan, hätte ich einen Tag mit Schriftgrößen verbracht und die Sache mit dem Archiv nie gefunden. Die Optik war am Ende auch dran — aber sie war das kleinere Problem.
Was du nicht gemessen hast, hast du nicht geprüft. Das gilt für Kontraste, für Links, für die Frage, wie viele deiner Kategorien überhaupt erreichbar sind. Alles davon ist zählbar. Nichts davon fällt beim Draufschauen auf.
Und die unbequemste Erkenntnis: Keiner dieser sieben Punkte war schwer. Zusammen waren es vielleicht drei Stunden Arbeit. Sie sind nur jahrelang niemandem aufgefallen — mir am wenigsten, weil ich diese Seite jeden Tag sehe und deshalb nichts mehr an ihr wahrnehme.
Wenn du deinen eigenen Blog schon eine Weile betreibst: Nimm dir den Search-Console-Export vor und sieh nach, ob zwei deiner Seiten für dieselbe Anfrage antreten. Das ist die Prüfung mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Erkenntnis, die ich kenne.
Ergebnisse kann ich noch keine zeigen — dafür ist es zu früh. Aber ich schreibe auf, was dabei herauskommt. Auch wenn es nichts wird. So halte ich es auch mit dem Werkstattbericht über die Content-Automatisierung, der hier parallel läuft.

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