Werkstattbericht Content-Automatisierung – Teil 1 von 8. Wie ich für einen meiner Blogs die Beitragsproduktion mit n8n und Claude automatisiert habe: was funktioniert hat, was nicht, und was am Ende dabei herauskam. Bereits erschienen: 1 · 2. Die übrigen 6 Teile folgen.
Es gibt Zahlen, die diskutiert man. Und es gibt Zahlen, bei denen ist die Diskussion vorbei, bevor sie anfängt.
Meine sah so aus: 877 Impressionen, null Klicks. Über 92 Tage, über 52 Seiten, über 126 Suchanfragen hinweg. Nicht wenige Klicks. Keine.
Das ist der Ausgangspunkt für alles, was in dieser Serie kommt. Ich habe in den Tagen danach einen fertig gekauften n8n-Workflow übernommen, ihn zusammen mit Claude auseinandergenommen, in neun Fassungen umgebaut und dabei so ziemlich jeden Fehler gefunden, den man in einer Content-Automatisierung machen kann – von englischen Absätzen in deutschen Beiträgen bis zu Schlachttieren in einem Beitrag über Wildbret.
Dieser erste Teil ist noch kein Technikteil. Er ist die Antwort auf die Frage, die man mir sonst zu Recht stellt: Warum tut man sich das an?
Der Befund, der alles ausgelöst hat
Was die Search Console zeigte
Die Seite heißt wildnisruf.de, es geht um Wandern, Survival, Ausrüstung und Jagd. Sie existiert seit November 2022. Am 19. August 2026 habe ich mir den Search-Console-Export für die vorangegangenen 92 Tage vorgenommen – 18. Mai bis 17. August, Suchtyp Web.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Klicks | 0 |
| Impressionen | 877 |
| CTR | 0,00 % |
| Seiten mit Impressionen | 52 |
| Beiträge laut Sitemap | 71 |
| Suchanfragen mit Impressionen | 126 |
| davon mit Klicks | 0 |
Deutschland steuerte 714 Impressionen bei, bei einer durchschnittlichen Position von 53,9. Die Schweiz 31 bei Position 68,2, Österreich 31 bei 75,3. Am Desktop stand ich im Schnitt auf 53,4, mobil auf 69,9.
Ein Wort zur Einordnung, weil „durchschnittliche Position“ gern missverstanden wird: Position 53,9 heißt nicht Seite fünf. Es heißt, dass ich im Mittel über alle Anfragen hinweg auf dem 54. Ergebnis stand. Und einzelne gute Werte waren durchaus dabei – /wildnisruf/ auf Position 2,2, /schlafsaecke/ auf 4,3, /trail-running/ auf 9,5. Jeweils mit fünf oder sechs Impressionen. Das sind Markennamen und Zufallstreffer, keine verwertbaren Positionen.
Die tatsächlich stärkste Seite war /survival-prinzipien/survival-im-wald/ mit 330 Impressionen auf Position 39,6. Seite vier.
Warum das kein Optimierungsproblem ist
Hier liegt der Punkt, an dem ich mich selbst zwei Jahre lang belogen habe.
Wenn du 500 Klicks hast und 600 willst, ist das ein Optimierungsproblem. Bessere Titel, bessere Snippets, ein bisschen Interne-Links-Arbeit, ein paar aktualisierte Beiträge. Diese Werkzeuge kennt jeder, der einen Blog betreibt, und sie funktionieren – oberhalb einer bestimmten Position.
Auf Position 40 funktionieren sie nicht. Es gibt dort nichts zu optimieren, weil dich niemand sieht. Ein perfekter Title-Tag auf Position 40 ist ein perfekter Title-Tag, den niemand liest. Die ganze Snippet-Arbeit setzt voraus, dass ein Mensch überhaupt an deinem Ergebnis vorbeiscrollt.
Vier Jahre, 71 Beiträge, null Klicks in drei Monaten. Das ist kein Feintuning-Fall. Das ist ein Fall für die Frage, ob das Fundament stimmt.

Die Diagnose: sieben Themen, keine Mitte
Waffenrecht, Waldbaden und Stand-up-Paddling
Ich habe die Beiträge sortiert, und dabei kam das hier heraus:
- Wandern: Rinnkendlsteig, Burgenklettersteig Eifel, Ostbelgien, Krimmler Wasserfälle, Gehzeit berechnen
- Survival/Bushcraft: Survival im Wald, Feuer im Schnee, Tierspuren, Wasser im Frost, Winter-Survival-Kit
- Jagd- und Waffenrecht: Bundesjagdgesetz, Waffenaufbewahrung, Schalldämpfer in NRW, Jagdschein abgelaufen
- Sport: Trail Running, Rucking, SUP, Outdoor-Krafttraining, Mountainbiken
- Gesundheit: Waldbaden, Waldbaden zur Krebsabwehr, Naturtherapie
- Ausrüstung: Wanderwesten, Schlafsäcke, Schlafunterlagen, Wanderzelte, Outdoor-Jacken
- Sonstiges: Nacktwandern, Deutschlands Wälder – Fakten
Sieben Felder. Waffenrecht, Waldbaden und Stand-up-Paddling sprechen drei verschiedene Menschen an, die einander im Zweifel nicht mögen. Dazu kommt: Fast alle Beiträge lagen flach im Wurzelverzeichnis, ohne Kategoriepfad. Es gab keine Struktur, aus der ein Muster ablesbar gewesen wäre – weder für einen Leser noch für eine Suchmaschine.
Ich will hier ehrlich bleiben: Belegen kann ich den Zusammenhang nicht. Dass thematische Streuung die Ursache für die Positionen war, ist eine begründete Einschätzung, keine Messung. Google veröffentlicht dazu nichts, was man zitieren könnte. Aber es ist die Erklärung, die zu allen anderen Befunden passt.
Der Publikationsschub, der abbrach
Ein zweites Muster war noch deutlicher, und es ist mir peinlicher:
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 28.11.2022 | ältester Beitrag |
| 02.–30.12.2025 | dichte Serie von acht Winter-Survival-Beiträgen |
| 15.01.2026 | letzter Beitrag |
Im Dezember 2025 lief eine getaktete Serie. Danach: sieben Monate nichts.
Das ist das klassische Blogger-Muster, und wer schon einmal nebenberuflich geschrieben hat, kennt es. Man nimmt sich etwas vor, hält zwei, drei Wochen durch, und dann kommt das Leben. Der entscheidende Punkt daran ist nicht die Faulheit – es ist die Unzuverlässigkeit. Acht Beiträge im Dezember und dann sieben Monate Stille ergeben über die ganze Laufzeit hinweg weniger als einen Beitrag pro Woche.
Und genau an dieser Stelle wird Automatisierung interessant. Nicht, weil eine Maschine besser schreibt als ich. Sondern weil sie im Februar noch schreibt.
Die Entscheidung: fokussieren statt einstellen
Warum ich nicht eingestellt habe
Der ehrliche Rat an einen Fremden mit diesen Zahlen wäre gewesen: lass es. Vier Jahre, kein Klick, häng es an den Nagel.
Ich habe mich dagegen entschieden, und zwar aus einem einzigen Grund: Es gibt eigene Substanz. Ich war auf dem Burgenklettersteig bei Manderscheid. Ich kenne die Wege in der Nordeifel und in Ostbelgien. Ich bin Jäger. Von den 71 Beiträgen sind einige aus eigener Anschauung geschrieben. Und von den geplanten Beiträgen stehen 75 auf einer Liste, für die eigene Fotos gebraucht werden – Orte, an die ich hinfahren kann, weil ich dort ohnehin unterwegs bin.
Das ist der Teil, den eine Automatik nicht kann, und ich komme in Teil 7 dieser Serie ausführlich darauf zurück. Ein Sprachmodell kann dir einen fehlerfreien Absatz über das Hohe Venn schreiben. Den Satz, dass die Bohlenwege dort bei Raureif anders rutschen als bei Regen, kann es nicht schreiben – dafür muss jemand dort gestanden haben.
Die Entscheidung lautete also: fokussieren. Aus sieben Themenfeldern werden wenige, aus flachen URLs wird eine Struktur, aus 71 Beiträgen werden über achtzig Wochen hinweg 1.121.
Die Regel, auf die ich mich festgelegt habe
Bevor die erste Zeile Technik entstand, habe ich eine Regel aufgeschrieben, und die gilt bis heute:
Produktion automatisch. Freigabe manuell. Veröffentlichung wieder automatisch.
Ausdrücklich nicht: ein System, das ohne mich publiziert.
Das klingt nach einer Selbstverständlichkeit, ist aber die wichtigste Einzelentscheidung des ganzen Projekts – und ich habe in den folgenden Tagen mehrfach erlebt, wie richtig sie war. Der Workflow, den ich übernommen habe, legt Beiträge grundsätzlich als Entwurf an (status: draft). Hätte er sie veröffentlicht, stünden auf meiner Seite heute Sätze über die Betäubung von Wild vor dem Zutrieb. In einem Beitrag über Wildbrethygiene. Bei erlegtem Wild.
Warum ausgerechnet das passiert ist, steht in Teil 3.

Was ich mir da eigentlich eingekauft habe
Ein Workflow von der Stange, 120 Nodes
Ich habe die Automatisierung nicht selbst gebaut. Ich habe eine fertige n8n-Vorlage übernommen, sie heißt „nano WordPress Blog Automation Pro (Deeper Research)“, und sie hat 120 Nodes, von denen acht deaktiviert waren.
Sie kann beeindruckend viel: Themen aus einer Google-Tabelle abarbeiten, mit Perplexity recherchieren, Kapitel und Unterkapitel schreiben lassen, Bilder mit Gemini erzeugen, verkleinern, in WebP wandeln, nach WordPress und nach Google Drive hochladen, Schlagwörter anlegen, ein Google Doc je Beitrag ablegen und eine Zeile in eine Ergebnistabelle schreiben.
Sie kann auch beeindruckend viel falsch machen. Als Claude sie durchgelesen hat, kamen fünf A-Befunde, fünf B-Befunde und sechs C-Befunde heraus – und ein Satz, der mir in Erinnerung geblieben ist: „Der Blog Planner sieht nur 10 deiner 21 Kategorien.“
Weil in einer URL per_page fehlte.
Was in dieser Serie kommt
Acht Teile, chronologisch, so wie es tatsächlich passiert ist:
- Null Klicks in drei Monaten – dieser Teil
- 120 Nodes geerbt – was in einer fertigen Vorlage steckt und was davon nie gelaufen ist
- Schlachttiere im Wildbret-Beitrag – wie eine Recherchekette das Thema verliert
- Vier Beiträge in zwei Sekunden – der Trigger, der sich selbst überholte
- „Jagdem pflicht um“ – warum die interne Verlinkung komplett neu musste
- Yoast über die REST-API – das Feld, das WordPress stillschweigend wegwirft
- Zehnmal „entscheidend“ – Stil, Modellwahl und was das alles kostet
- Bilanz – was steht, was offen bleibt, was ich anders machen würde
Ich schreibe das als Werkstattbericht, nicht als Anleitung. Das heißt: Es kommen Zahlen aus echten Läufen vor, echte Fehlermeldungen, echte Zitate aus fehlgeschlagenen Beiträgen. Und es kommt vor, dass etwas nicht geklärt werden konnte – dann steht das auch so da.
Nichts davon ist geraten. Wo ich mir nicht sicher bin, sage ich es.
Fazit
Null Klicks bei 877 Impressionen sind keine schlechte Nachricht. Sie sind eine eindeutige. Eine Seite, die auf Position 40 steht, hat kein Snippet-Problem, sondern ein Fundamentproblem, und das lässt sich nicht mit ein paar frischen Beiträgen zuschütten.
Was daraus geworden ist, war deutlich mehr Arbeit als „ich lass das jetzt die KI machen“. Es waren zwei Tage Fehlersuche in einem Workflow, den ich nicht selbst geschrieben habe, neun Fassungen, fünf neue Code-Nodes und eine ganze Reihe von Momenten, in denen ich froh war, dass nichts davon automatisch online geht.
Im nächsten Teil sehen wir uns an, was in dieser Vorlage tatsächlich drinsteckt – und welcher einzelne fehlende Parameter dafür gesorgt hat, dass die Hälfte meiner Kategorien für die Automatik gar nicht existierte.
Alle Teile der Serie
- Teil 1: Null Klicks in drei Monaten (dieser Beitrag)
- Teil 2: 120 Nodes geerbt
- Teil 3: Schlachttiere im Wildbret-Beitrag – folgt
- Teil 4: Vier Beiträge in zwei Sekunden – folgt
- Teil 5: Interne Verlinkung, neu gebaut – folgt
- Teil 6: Yoast über die REST-API – folgt
- Teil 7: Stil, Modelle und Kosten – folgt
- Teil 8: Bilanz nach zwei Tagen – folgt
Weiter zu Teil 2: 120 Nodes geerbt ▶

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