Irgendwann kommt der Punkt, an dem ein Blog einen Newsletter bekommen soll. Die Suchmaschine wirft dann Dutzende Vergleichstabellen aus, in denen Monatspreise und Kontingente nebeneinanderstehen, und man wählt den Dienst, der in der eigenen Größenordnung am günstigsten aussieht. Das ist die falsche Reihenfolge. Für einen WordPress-Blog entscheiden zwei andere Dinge über den Alltag — und beide tauchen in keiner Preistabelle auf.
Dieser Beitrag ist der Vergleich, den ich mir selbst gewünscht hätte, bevor ich anfange: drei Dienste, an den Anbieterseiten und im WordPress-Verzeichnis nachgesehen, mit Datum. Alles, was ich nicht geprüft habe, ist als ungeprüft gekennzeichnet — es sind mehr Punkte, als man erwartet.
Der Vergleich auf einen Blick
- Stand der Angaben: alles nachgesehen am 24.08.2026 an den Anbieterseiten und im WordPress-Plugin-Verzeichnis. Preise und Tarifgrenzen ändern sich — vor der Anmeldung selbst nachschauen.
- Dauerhaft kostenlos: CleverReach mit 250 Empfängern und 1.000 E-Mails im Monat, Brevo mit 300 E-Mails pro Tag und bis zu 100.000 Kontakten. Bei rapidmail ist nur das erste Mailing gratis.
- Erstes Kriterium vor dem Preis: die Pflegequalität des WordPress-Plugins. Ohne gepflegtes Plugin baust und reparierst du das Anmeldeformular selbst.
- Zweites Kriterium: die Zahl der erlaubten Empfängerlisten. Sie entscheidet, ob du mehrere Projekte oder Zielgruppen sauber trennen kannst.
- rapidmail hat ein Problem für WordPress: Das offizielle Plugin ist im Verzeichnis seit dem 21.09.2025 geschlossen (Guideline Violation), die letzte Aktualisierung liegt sechs Jahre zurück. Über den Versanddienst selbst sagt das nichts.
- Ein Konto pro Person: Brevos Nutzungsbedingungen erlauben in Abschnitt 3.1 ausdrücklich nur ein einzelnes Konto. Für jedes Projekt ein eigenes Gratiskonto ist dort keine Option.
- Nicht geprüft: Serverstandorte und Auftragsverarbeitungsverträge bei Brevo und rapidmail. Wer darauf angewiesen ist, muss das selbst nachsehen — und die rechtliche Bewertung gehört ohnehin in fachkundige Hände.

Zwei Kriterien, die vor dem Preis kommen
Das WordPress-Plugin entscheidet über deinen Aufwand
Ein Newsletter-Dienst besteht für dich aus zwei Hälften: dem Versand, der beim Anbieter liegt, und dem Anmeldeformular, das auf deiner Seite steht. Die zweite Hälfte ist die, mit der du zu tun hast. Sie soll in der Seitenleiste oder unter dem Beitrag erscheinen, sie soll die Einwilligung einholen, sie soll die Adresse in die richtige Liste schreiben — und sie soll das auch nach dem nächsten größeren WordPress-Update noch tun.
Genau dafür gibt es die offiziellen Plugins der Anbieter. Fehlt eins oder wird es nicht gepflegt, verlagert sich diese Arbeit zu dir: du baust das Formular selbst, du hältst es aktuell, du reparierst es, wenn es aufhört zu funktionieren. Das ist der Grund, warum ich beim Anbietervergleich zuerst ins WordPress-Plugin-Verzeichnis schaue und erst danach auf die Preisseite. Installationszahlen und Bewertungen sind keine Qualitätsgarantie — aber sie sagen etwas darüber, wie viele Leute es merken würden, wenn etwas kaputtgeht.
Die Zahl der Empfängerlisten entscheidet über deine Struktur
Solange du einen einzigen Newsletter verschickst, reicht eine Empfängerliste. Der Bedarf ändert sich schneller, als man denkt: ein zweites Blogprojekt, ein Kurs, eine Ankündigungsliste neben der regulären. Sobald du zwei Gruppen getrennt anschreiben willst, brauchst du zwei Listen — und die sind in den günstigen Tarifen oft begrenzt.
Das steht in kaum einer Vergleichstabelle, weil Vergleichstabellen Kontingente und Monatspreise nebeneinanderstellen und keine Strukturfragen. Es bestimmt aber den Alltag stärker als der Preis: Eine Liste zu teilen, wenn die Adressen erst einmal alle in einem Topf liegen, ist Handarbeit — und bei Adressen, deren Herkunft du sauber belegen können musst, keine gute Idee.
Drei Anbieter, nachgesehen am 24.08.2026
Die Übersicht
Das ist kein Ranking der besten Newsletter-Tools, sondern der Versuch, für einen konkreten Fall die passenden Fragen zu beantworten: ein WordPress-Blog, überschaubare Liste, kein Budget für Experimente.
| Anbieter | dauerhaft kostenlos | Listen im Gratistarif | WordPress-Plugin |
|---|---|---|---|
| rapidmail | nein — gratis ist nur das erste Mailing an bis zu 2.000 Kontakte | entfällt (Tarife ab 15 €/Monat mit 3 Empfängerlisten) | offizielles Plugin seit 21.09.2025 geschlossen (Guideline Violation), letzte Aktualisierung vor sechs Jahren |
| CleverReach | ja — Tarif Lite mit 250 Empfängern und 1.000 E-Mails pro Monat | eine einzige (Lite und Basic); unbegrenzt erst ab Pro, 18 €/Monat | offizielles Plugin, 4.000+ Installationen, 3 von 5 Sternen aus 8 Bewertungen, vor drei Monaten aktualisiert |
| Brevo | ja — 300 E-Mails pro Tag, bis zu 100.000 Kontakte | nur ein Benutzer; Hinweis Sent with Brevo in jeder E-Mail, nicht entfernbar | offizielles Plugin, 100.000+ Installationen, 4,1 von 5, vor zwei Monaten aktualisiert |
Zu den Details, die in der Tabelle keinen Platz hatten: Bei rapidmail kostet ein Versand an 500 Adressen ohne Abo 20 €, die Monatstarife beginnen bei 15 € für 500 Kontakte mit drei Empfängerlisten, Performance liegt bei 25 € mit zehn Listen, Unlimited bei 35 €. CleverReach nennt Serverstandorte in der EU und bietet den Abschluss eines Auftragsverarbeitungsvertrags online an. Brevo hat seinen Firmensitz in Frankreich — Serverstandort und Vertragslage habe ich dort nicht geprüft, ebenso wenig rapidmails Serverstandort.
Was die Tabelle nicht fasst
Der auffälligste Befund betrifft rapidmail, und er hat nichts mit dem Versanddienst zu tun. Das offizielle WordPress-Plugin ist im Verzeichnis seit dem 21.09.2025 geschlossen, als Grund ist eine Guideline Violation vermerkt, die letzte Aktualisierung liegt sechs Jahre zurück. Für jemanden, der den Newsletter gerade erst einbauen will, heißt das: Der bequeme Weg über ein gepflegtes Plugin ist dort derzeit nicht da. Das ist ausdrücklich kein Urteil über die Qualität des Versands — nur über den Weg nach WordPress hinein.
Ein Detail bei Brevo ist leicht zu überlesen und hat Folgen, wenn man mehrere Websites betreibt: Die Nutzungsbedingungen erlauben ausdrücklich nur ein Konto. Abschnitt 3.1 formuliert es so: Es ist Ihnen ausschließlich gestattet, ein einzelnes Konto zu erstellen und zu nutzen. Der naheliegende Gedanke, für jedes Projekt ein eigenes Gratiskonto anzulegen, ist damit vom Tisch — wer mehrere Blogs betreut, muss die Trennung innerhalb eines Kontos über die Listen lösen oder zahlen. Damit ist man wieder bei Kriterium zwei.
Und bei CleverReach ist es die Listengrenze selbst: Lite und Basic erlauben genau eine Empfängerliste, unbegrenzt viele gibt es erst ab Pro für 18 € im Monat. Wer heute einen Blog hat und in einem Jahr zwei, plant hier besser vorher. Meine Sammlung an Tools fürs Bloggen pflege ich inzwischen genau nach solchen Kriterien und nicht nach Monatspreisen.
Was dir gehört und was nur geliehen ist
Die Abonnentenliste
Die Abonnentenliste ist das einzige am ganzen Newsletter, was wirklich dir gehört. Der Versanddienst ist austauschbar, die Vorlagen sind austauschbar, die Statistiken sind nett, aber verzichtbar. Die Adressen sind es nicht — sie sind das Ergebnis von Monaten oder Jahren Arbeit, und sie lassen sich nicht rekonstruieren. Wenn sie ausschließlich in einem System liegen, auf das du irgendwann keinen Zugriff mehr hast, dann besitzt du sie faktisch nicht, sondern hast sie geliehen.
Ein Konto kann gesperrt werden, ein Tarif kann wegfallen, ein Anbieter kann den Betrieb einstellen — und du erfährst den Grund im Zweifel nicht. Deshalb gehört der regelmäßige Export von Anfang an zur Routine und nicht auf die Liste der Dinge, die man mal machen sollte: eine CSV-Datei, in einem eigenen Backup, mit Datum im Dateinamen. Das kostet fünf Minuten im Monat. Richte es ein, bevor die Liste wächst, dann fühlt es sich nie nach Zusatzarbeit an.
Die Einwilligungsnachweise
Der zweite Punkt wird gern übersehen, weil er unsichtbar ist. Eine Liste von E-Mail-Adressen ist ohne die dazugehörige Dokumentation der Einwilligung nur eine Textdatei. Zu jedem Eintrag gehören Angaben dazu, wann und auf welchem Weg die Person sich eingetragen hat und wann sie die Bestätigung erteilt hat. Diese Daten hält üblicherweise der Versanddienst vor — im selben Konto wie die Adressen.
Praktisch heißt das: Adressen und Nachweise gehören in denselben Export, sonst ist der Export die halbe Miete. Wer eine Liste später zu einem anderen Anbieter mitnimmt, hat den Import einer CSV-Datei in zwei Minuten erledigt — betreibt danach aber einen Verteiler, dessen Zustandekommen er nicht mehr belegen kann. Seriöse Anbieter fragen beim Import auch genau danach. Ich formuliere das bewusst als praktische Überlegung und nicht als Rechtsberatung: Wie das im Einzelfall zu bewerten ist, gehört in fachkundige Hände, und diese Einschätzung solltest du dir für deinen konkreten Fall separat einholen.
Der Einbau in WordPress
Die Reihenfolge, die Nacharbeit spart
Wenn die Entscheidung gefallen ist, spart eine feste Reihenfolge das meiste Zurückrudern:
- Konto anlegen und freischalten lassen. Die Freischaltung für den Versand dauert bei manchen Anbietern etwas — früh anfangen.
- Absenderadresse einrichten und die Domain verifizieren. Dafür kommen zwei, drei Einträge ins DNS deiner Domain. Ohne diesen Schritt landen die Mails deutlich häufiger im Spam.
- Liste anlegen — pro Projekt eine, mit dem Domainnamen benannt. Später umzusortieren ist unangenehm.
- Formular mit Bestätigungsschritt anlegen, also mit dem Double-Opt-in-Verfahren, damit die Bestätigung dokumentiert ist.
- Plugin installieren, Schlüssel eintragen, Liste zuordnen. Der letzte Teil wird am häufigsten vergessen — dann landen die Anmeldungen des einen Blogs im Verteiler des anderen.
- Testanmeldung mit einer eigenen Adresse und danach nachsehen, ob der Kontakt wirklich in der richtigen Liste steht.
- Datenschutzerklärung ergänzen. Ein neuer Dienst, der Daten deiner Leser verarbeitet, ist eine Änderung an dem, was deine Seite tut.
Punkt sieben ist der, der am längsten liegen bleibt und am wenigsten Arbeit macht, wenn man ihn sofort erledigt. Ein neuer Dienst, der bei jedem Seitenaufruf Daten deiner Leser verarbeitet und in keinem Absatz der Erklärung vorkommt, ist genau die Sorte Abweichung, die man Jahre später mühsam sucht.
Der Fehler, der das Formular unbrauchbar macht
Eine Stolperstelle sei ausdrücklich genannt, weil sie unsichtbar ist und ich sie selbst erlebt habe: Kopiere niemals den inneren HTML-Code eines Anmeldeformulars in ein Widget. Was dann in der Seitenleiste steht, sieht aus wie ein Formular — Eingabefeld, Häkchen, Knopf —, aber der umschließende Rahmen fehlt, und ohne ihn löst der Klick auf den Knopf schlicht nichts aus. Niemand beschwert sich, weil niemand merkt, dass nichts passiert ist.
Wie sich das im Browser in einer Minute nachweisen lässt, habe ich in Meine Newsletter-Box war kein Formular aufgeschrieben. Die Regel dagegen ist einfach: immer den Shortcode oder das Widget des Plugins verwenden, nie den herauskopierten Quelltext. Und nach dem Einbau eine Testanmeldung — die ist der einzige Beweis, dass die Kette vom Klick bis zur Liste wirklich steht.
Was ich nicht geprüft habe. Serverstandort und Auftragsverarbeitungsvertrag bei Brevo, den Serverstandort bei rapidmail sowie die Frage, welche Unterauftragsverarbeiter die drei Dienste einsetzen. Alle Preis- und Tarifangaben stammen vom 24.08.2026 und können sich geändert haben. Und noch einmal deutlich: Dieser Beitrag vergleicht Dienste aus der Sicht eines Bloggers, er bewertet nichts rechtlich. Ob ein Anbieter für deinen Einsatz taugt, ist eine Frage, die du für deinen Fall klären musst.


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